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Tag 17 – Geschichte eines Paeckchens …

Nachdem ich beschlossen hatte, den Massschen Rettungsflieger nicht zu besteigen, und die Corona Geschichte in Uruguay auszusitzen, ergab sich die Problematik der Versorgung mit meinen Medikamenten. Die bringe ich immer aus Deutschland mit, allerdings nur fuer die geplante Dauer meines Aufenthalts … soweit zur Vorgeschichte …

Da ich bereits gute Erfahrungen bei der Versendung kleinerer Paeckchen nach Uruguay mit UPS gesammelt hatte (alle andere Lieferdienste liefern gewoehnlich nur bis zum uruguayischen Zoll – danach uebernimmt dann die URU Post die Weiterbefoerderung von Montevideo nach Atlantida, was schonmal einige Tage fuer die 50km dauern kann …) Na jedenfalls bat ich meinen Freund K. in Berlin damit, besagte Medikamente aus meiner Wohnung am Alex zu holen und bei einem speziellen Paketdienst in Mitte , der auch mit UPS zusammenarbeitet aufzugeben (Unbedingt UPS, da nur diese wirklich von Tuer zu Tuer liefern !!!)

Mein Freund K. ging also zu besagtem Dienstleister in der Rosa-Luxemburg-Strasse, unter meiner staendigen telefonischen Begleitung per whattsapp. Nachdem nun auch alle Detailfragen bezgl. der Verpackung etc. geklaert waren, nahm ich an, das UPS Paeckchen naehme nun seinen nachverfolgbaren Trackinglauf … um so erstaunter war ich jedoch, als K. mir spaeter am Tage eroeffnete, das er das Paeckchen allerdings nicht mit UPS sondern DHL verschickt haette, da der kompetente Mitarbeiter vor Ort ihm erklaerte, er koenne im UPS System die Postleitzahl nicht finden, das aber nicht schlimm waere, da DHL auch mit eigenen lokalen Zustellern arbeiten wuerde … (keine Ahnung woher er diese Info nahm).

Hiermit nahm das Drama eines Paeckchens seinen unabwendbaren Lauf …

Ich bekam, wie ueblich, eine Tracking email fuer das DHL Express Paeckchen (80 Euro – 3 Werktage Lieferung) und fing das Warten auf dessen Ankunft an … Nach ueber einer Woche (inkl. 2 facher Ueberquerung des Rio de la Plata ! ) wurde mir dann von DHL die freudige Botschaft der Ankunft in MVD uebermittelt. Laut email DHL (selbstverstaendlich ausschliesslich in Spanisch) solle ich mir nun den Lieferschein des Paeckchens im DHL Buero in Montevideo abholen um dann damit am Flughafen Zolllager das Paeckchen in Empfang zu nehmen. Weitere Nachfragen meinerseits (pers. Zustellung, Oeffungszeiten Zolllager, Kommunikation in Englisch etc.) wurden vom DHL Buero bestenfalls gleichgueltig behandelt. Nun ja, andere Laender andere Sitten … Ich also an einem der folgenden Tage nun auf zum DHL Buero, Lieferschein holen, weiter zum Zolllager, wo es 5 ! Stationen (mit jeweils ca. 20 Personen Warteschlange) zur Abfertigung gibt (Registrierung, Paket oeffnen und kontrollieren, Zollabfertigung, Gebuehrenzahlung und Abholung der Sendung). Das lief alles zaeh, aber ohne weitere Komplikation ab – bis … ja bis mir an Station 3 (Zollabfertigung) eroeffnet wurde, dass sie mir die paar persoenlichen Medikamente leider nicht aushaendigen koennten, bevor das nationale Gesundheitsministerium! eine Erlaubnisbescheinigung hierfuer ausgestellt haette … nee, iss klar ! Also bin ich wieder von dannen gezogen und habe meine urugayuaische Nachbarin gebeten, im Ministerium anzurufen und fuer mich nachzufragen wie ich an die noetige Bescheinigung komme. Zig Unterlagen spaeter (Medikamentenliste, Passkopie, Rezept etc.) die ich dann ans Ministerio gemailt habe, bekam ich dann ueberraschend schnell (2Tage) die gewuenschte Bestaetigung (ebenfalls per email). Das war an Karfreitag. Da die Zollbehoerde Ostern geschlossen war, beschloss ich in der folgenden Woche an meinem Geburtstag dort hinzufahren und mir sozusagen selbst ein Geburtstagsgeschenk zu machen – womit ich nicht gerechnet hatte, dass die Behoerde wegen Corona geaenderte Oeffnungszeiten eingefuehrt hatte, und ich den Weg leider wieder umsonst gemacht hatte … ich stand also dort gegen 15.30 Uhr vor verschlossener Tuer und konnte noch dem Putzpersonal bei der Arbeit zuschauen …

Also heute, der dritte Anlauf: 13 Uhr rein in den Zoll, nach kurzem Warten, alle noetigen Dokumente vorgelegt – und einen Zollbescheid ueber 0 Pesos bekommen. Bevor ich Traenen des Gluecks vergiessen konnte, wies mich der freundliche Zollbeamte noch darauf hin, dass ich vor Abholung des Paeckchens noch eine Lagergebuehr zu bezahlen haette (nee, iss klar!) und dann mit der Quittung aber doch das Paeckchen tatsaechlich im Zolllager abholen koenne … Was er jedoch nicht erwaehnte war, dass fuer alle Anmeldungen, Nachfragen und Zahlungen der gesamten Zollbehoerde nur ein Schalter mit einem Mitarbeiter geoeffnet war, an dem sich eine Schlange von ca. 50 Personen gebildet hatte, die fast bis zur Eingangstuer reichte … ob dieser neuerlichen Huerde (war mir eigentlich sicher, dass ich noch ein viertes Mal herkommen muesse) mutierte mein emotionaler Zustand zwischen hysterischem Schreikrampf, resigniertem Spontanzusammenbruch und aggresivem Selbstmordanschlag … als mein Hirn wieder halbwegs klar anfing zu arbeiten (ca. 13 Uhr), beschloss ich, erstmal bis kurz vor Feierabend (14 Uhr) ausserhalb des Gebaeudes zu warten und dann einen letzten Versuch zu starten. Die gewaehlte Taktik erwies sich als goldrichtig – damit alle puenktlich nach Hause kommen konnten, sprang ploetzlich noch ein zweiter Mitarbeiter ein, und die Schlange verkuerzte sich bald auf ca. 10 Wartende, die auch allesamt der Verzweiflung nahe waren. Der Rest ist schnell erzaehlt: Habe 850 Peso (ca. 20 Euro) fuer die Lagerung bezahlt, bin mit der Quittung und allen anderen Dokumenten zum Zollager und hielt nach 10 Minuten mein Paeckchen in der Hand !!!

Fazit: Fuer ein kleines Paeckchen mit Pillen bin ich nun 3 x nach Montevideo gefahren (ca. 200 km), habe gefuehlte 5 Stunden in der Zollbehoerde TCU verbracht und 100 Euro an Transport- und Lagergebuehren bezahlt – das Ganze hat insgesamt fast 4 Wochen gebraucht, um den Weg zu mir zu finden (Expressversand!) …

Also: Sollte mir irgendjemand nochmal jemals ein Paeckchen schicken: Hoert auf mich, gebt es bei UPS auf – oder bringt es am Besten persoenlich vorbei ! (wenn es wieder Fluege gibt …)

Eingang zum „5 Stationen Hindernislauf“ bei der uruguayischen Zollbehoerde TCU
Neue Oeffnungszeiten des Zolls (Aduanas)
Warteschlange bei Anmeldung UND Kasse
Kasse
(Schritt 1 und 4)
Eingang Zolllager (Schritt 2 und 5)
Abholschalter
Erschoepft aber gluecklich !
Tracking von DHL Express – endet bei der Uebergabe zum Zoll
UPS Zusteller vor dem Eingang (DHL Autos gibts dort nicht wirklich …)

2 Kommentare

  1. Günther Gerloff Günther Gerloff

    Ende gut Alles gut.
    Wie man sieht, funktioniert Bürokratie hervorragend.
    Bleib gesund.

  2. Anonymous Anonymous

    Jürgen, ich musste schmunzeln, wenn es nicht die realität für uruguay wäre würde ich glatt behaupten – märchenstunde – willkommen in uruguay! gruss dorothea

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